Kohorte

Methodik

Kohorte ist ein Rechenwerkzeug, das ausgehend von 1945 fortschreibt, wie sich der durchschnittliche gemessene IQ einer Landesbevölkerung unter ausdrücklich gesetzten Annahmen entwickeln würde. Das Modell liefert keine Prognose und keinen Befund über Gruppen oder Einzelpersonen. Es zeigt, welche Ergebnisse aus welchen Annahmen folgen und wie stark das Ergebnis von umstrittenen Parametern abhängt. Deshalb ist jede Annahme als Regler sichtbar und der Vergleichsmodus rechnet dasselbe Szenario unter drei gegensätzlichen Annahmesätzen.

1. Bevölkerungsmodell

Die Bevölkerung besteht aus Gruppen (z. B. Einheimische, Vertriebene, Gastarbeiter aus der Türkei, Spätaussiedler). Jede Gruppe wird in drei Generationen geführt – 1 = selbst zugewandert, 2 = im Land geboren mit zugewanderten Eltern, 3 = spätere Generationen – und jede Generation in Einzeljahren 0–100 (100 = offene Altersklasse). Gerechnet wird in Jahresschritten:

  1. Zuwanderung (Personen pro Jahr × Altersprofil), geplante Rückkehr früherer Zuwanderer, Abwanderung
  2. Geburten: Frauenanteil 50 % × altersspezifische Fruchtbarkeit (Normalverteilung um das mittlere Gebäralter, 15–49 Jahre) × TFR der Gruppe und Generation
  3. Sterblichkeit: Gompertz-Makeham-Sterbetafel, die je Kalenderjahr auf die eingestellte Lebenserwartung bei Geburt kalibriert wird (Säuglingssterblichkeit aus der Lebenserwartung abgeleitet)
  4. Altern um ein Jahr; Ausgabe als Stand zum Jahresende

TFR-Konvergenz: Die erste Generation hat die TFR der Gruppe. Ab der zweiten Generation nähert sich die TFR linear über n Generationen der TFR der Einheimischen an: TFRk = TFRMehrheit + (TFRGruppe − TFRMehrheit) · max(0, 1 − (k−1)/n). Gruppen ohne Konvergenz (z. B. Ostdeutsche nach 1990) behalten ihre eigene Zeitreihe.

2. Vererbung pro Generation

Für jede Zelle (Gruppe × Generation × Alter) führt das Modell den mittleren Abstand zur Referenz (Start-IQ der Einheimischen) aufgeteilt in drei Komponenten sowie die Varianz:

IQ = Start-IQ + A + E + R + Flynn(Geburtsjahr) A vererbbarer (additiv-genetischer) Anteil des Abstands E systematischer Umweltanteil (Familie, Bildung, Herkunftsland – wird weitergegeben, gleicht sich aber an) R nicht weitergegebener Rest (entsteht durch Selektion auf den Phänotyp)

Bei Einreise wird der Abstand D = IQGruppe − Start-IQ aufgeteilt in A = p · D und E = (1 − p) · D, wobei p der Regler „vererbbarer Anteil der Gruppenabstände“ ist (global oder je Gruppe).

Modell „Komponenten“ (Standard)

A_Kind = A_Eltern + h² · S E_Kind = E_Eltern · (1 − Angleichung) R_Kind = 0 S = r(IQ, Kinderzahl) · CV(Kinderzahl) · σ_IQ (Selektionsdifferential)

A und E der Eltern sind die fertilitätsgewichteten Mittel der Mütter der Gruppe; bei Mischehen das Mittel aus Gruppe und Partnerpool (siehe unten). Der Ausdruck h² · S ist die Züchtergleichung (Antwort auf Selektion): Haben Personen mit höherem IQ innerhalb einer Gruppe im Mittel weniger Kinder (r < 0), liegt der Mittelwert der Eltern unter dem der Gruppe; vererbt wird davon der Anteil h².

Modell „Züchtergleichung“ (wörtlich)

IQ_Kind = µ_Pop + h² · (IQ_Eltern − µ_Pop) + h² · S

Hier regrediert jede Kindergeneration um den Faktor h² zum Mittel der Gesamtbevölkerung. Das entspricht dem Komponentenmodell mit p = h² und vollständiger Umweltangleichung. Diese Lesart behandelt den Abstand einer Gruppe wie die Abweichung eines Individuums vom Populationsmittel. Genetisch korrekt ist sie nur, wenn die Gruppe genetisch keine eigene Teilpopulation bildet. Liegt der Gruppenabstand dagegen tatsächlich in den Genen, regrediert er zum Mittel der eigenen Gruppe und bleibt erhalten. Beide Modelle sind wählbar, weil genau diese Frage wissenschaftlich offen bzw. umstritten ist.

h² ist nicht der vererbbare Anteil von Gruppenabständen

Die enge Heritabilität h² beschreibt, welcher Anteil der Varianz innerhalb einer Population auf additive genetische Unterschiede zurückgeht (Zwillings- und Familienstudien: rund 0,4–0,8 im Erwachsenenalter, SNP-basierte Schätzungen deutlich niedriger). Daraus folgt nichts über die Ursache von Mittelwertunterschieden zwischen Gruppen, die in unterschiedlichen Umwelten leben (Lewontins Saatgut-Beispiel: genetisch verschiedene Pflanzen in zwei Töpfen; die Höhenunterschiede innerhalb eines Topfes sind erblich, der Unterschied zwischen den Töpfen liegt am Boden). Deshalb sind h² und der vererbbare Anteil p getrennte Regler.

Assortative Mating

Die Korrelation der Partner-IQs (m) erhöht im Gleichgewicht die additive Varianz: VA* = VA / (1 − h²·m). Die Gruppen-SDs sind auf den heutigen Wert m₀ = 0,4 bezogen; der Regler skaliert die SD jeder Kindergeneration um √[(h²/(1−h²m) + 1−h²) / (h²/(1−h²m₀) + 1−h²)]. Das verändert die Anteile über 115 bzw. 130, nicht den Mittelwert.

Mischehen

Der Anteil der Geburten einer Gruppe mit Partner außerhalb der Gruppe (Mischehen-Rate) erhält als Elternmittel den Durchschnitt aus Gruppe und Partnerpool (fertilitätsgewichtet über alle anderen Gruppen). Diese Kinder bilden wahlweise die Gruppe „Gemischte Herkunft“ oder bleiben in der Gruppe der Mutter. Wer in Mischehen heiratet, wird nicht nach IQ ausgewählt (vereinfachende Annahme).

Selektive Abwanderung

„200.000 Akademiker pro Jahr mit IQ-Mittel 120“ wird als Abwanderung aus dem oberen Teil der Verteilung modelliert: Es wird eine gemeinsame Schwelle x über alle betroffenen Zellen gesucht, sodass der Mittelwert aller Personen oberhalb von x dem eingestellten Wert entspricht; aus diesem Bereich wandern die Personen anteilig ab. Mittelwert und Varianz der Zurückbleibenden werden exakt (gestutzte Normalverteilung) neu berechnet. Von der Absenkung des phänotypischen Mittelwerts wird nur der Anteil h² auf die Kinder übertragen; der Rest (R) verschwindet mit der Generation.

3. Flynn-Effekt und IQ-Skala

IQ-Werte sind immer relativ zu einer Normstichprobe. Weil Tests regelmäßig neu normiert werden, hat die jeweils aktuelle Bevölkerung wieder einen Mittelwert von etwa 100, obwohl die Testleistungen im 20. Jahrhundert um rund 3 Punkte pro Jahrzehnt gestiegen sind (Flynn-Effekt). Das Modell bietet deshalb zwei Skalen an:

Gruppenabstände werden in beiden Fällen ohne Flynn-Effekt angegeben; der Effekt ändert sie nicht. Inhaltlich ist er dennoch relevant: Er zeigt, dass sich Testleistungen ganzer Populationen innerhalb weniger Jahrzehnte ohne genetische Veränderung um eine Standardabweichung verschieben können.

4. Migration und Sonderereignisse

Das Gebiet ist bis 1990 das frühere Bundesgebiet einschließlich West-Berlin, danach Deutschland.

5. Annahme-Presets

PresetParameterBeschreibung
Hereditär stark h2 = 0,8
assimilation = 0,0
heritable_share = 0,8
inheritance_mode = components
Hohe enge Heritabilität, Gruppenabstände überwiegend vererbbar, keine Umweltangleichung der im Land geborenen Generationen.
Mittel h2 = 0,5
assimilation = 0,5
heritable_share = 0,5
inheritance_mode = components
Mittlere Werte: h² = 0,5, die Hälfte der Abstände vererbbar, Hälfte des Umweltanteils gleicht sich je Generation an.
Umweltbetont h2 = 0,3
assimilation = 1,0
heritable_share = 0,0
inheritance_mode = components
Niedrige enge Heritabilität, Gruppenabstände umweltbedingt, die zweite Generation gleicht sich vollständig an das Umfeld an.

6. Daten und IQ-Annahmen

Zur Datenqualität nationaler IQ-Werte. Die verbreiteten Länderwerte (Lynn & Vanhanen; Becker) beruhen für viele Länder auf wenigen, kleinen, nicht repräsentativen Stichproben, teils aus Jahrzehnte alten Studien, mit unterschiedlichen Tests und uneinheitlichen Umrechnungen. Fehlende Länder wurden aus Nachbarländern geschätzt. Methodische Kritik betrifft Stichprobenauswahl, Messinvarianz und den Umgang mit Studien (u. a. Wicherts, Dolan & van der Maas 2010; Sear 2022). Zudem waren Zuwanderer nach Deutschland nie ein Querschnitt ihres Herkunftslandes (Anwerbung von Industriearbeitern, Bildungsselektion, Fluchtumstände). Diese Werte sind daher als Annahmen mit großer Unsicherheit gekennzeichnet (umstritten).

Als Alternative bietet das Modell eine Kalibrierung aus Messungen in Deutschland an: Abstände in PISA-Leistungen von Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungsgeschichte (1. bzw. 2. Generation, teils nach Herkunft) gegenüber Schülern ohne Zuwanderungsgeschichte, umgerechnet mit 100 PISA-Punkte ≈ 1 SD ≈ 15 IQ-Punkte. PISA misst schulische Kompetenzen (stark abhängig von Sprache und Bildungsbiografie), nicht Intelligenz; die Werte sind deshalb ebenfalls Annahmen und eher Obergrenzen für Abstände bei Kindern.

Gruppen der Vorlage „Deutschland 1945–2100 (historische Vorlage)“

GruppeAnnahmenAnmerkung
Einheimische wie Einheimische (Start-IQ)
TFR 1. Generation: 1,70 (1945) → 1,15 (2025)
Wohnbevölkerung des späteren Bundesgebiets (inkl. West-Berlin, Saarland) Anfang 1945 ohne Vertriebene, SBZ-Flüchtlinge und noch nicht heimgekehrte Kriegsgefangene (kalibriert auf die Volkszählungen 1946/1950). TFR bis 1985 früheres Bundesgebiet, danach TFR deutscher Frauen abzüglich 0,05 (eingebürgerte Nachkommen Zugewanderter werden im Modell in ihren Herkunftsgruppen geführt).
Vertriebene 1945–50 wie Einheimische (Start-IQ)
TFR 1. Generation: wie Mehrheit
Deutsche Heimatvertriebene (Volkszählung 1950: 7,88 Mio. im Bundesgebiet ohne Saar/West-Berlin). Als Deutsche wie Einheimische angesetzt; TFR wie Einheimische.
Ostdeutsche (ab 1990) wie Einheimische (Start-IQ)
TFR 1. Generation: 1,52 (1990) → 1,22 (2025)
Bevölkerung der DDR einschl. Ost-Berlin bei der Wiedervereinigung; TFR der neuen Länder.
Gastarbeiter Südeuropa Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -6 (Spanne -9 bis -3)
PISA 2012 „andere Herkunft“ (492 vs. 531 Punkte); keine eigene Ausweisung.
Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 94,5 (Spanne 91–98) umstritten
Italien 44 %, Griechenland 28 %, Spanien 20 %, Portugal 8 % (Bestand 1973). L&V 2012: 96,4 · NIQ: 92,6 (normiert).
TFR 1. Generation: 2,60 (1955) → 1,40 (2023)
Anwerbung aus Italien (1955), Spanien, Griechenland (1960) und Portugal (1964), Familiennachzug, Zuwanderung während der Eurokrise.
Türkei Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -11,6 (Spanne -17 bis -8)
PISA 2012: Herkunft Türkei 454 vs. 531 Punkte; 1. Generation 2003: 411 vs. 527.
Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 88,6 (Spanne 85–93) umstritten
L&V 2012: 90,6 · NIQ: 86,6 (normiert, je nur 3 Stichproben).
TFR 1. Generation: 3,50 (1961) → 1,80 (2023)
Anwerbeabkommen 1961, Familiennachzug nach dem Anwerbestopp 1973, Rückkehrhilfe 1983/84, Heiratsmigration.
Ehem. Jugoslawien Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -7 (Spanne -11 bis -4)
Keine eigene Ausweisung in PISA 2012; Annahme zwischen „andere Herkunft“ und 1. Generation.
Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 91 (Spanne 86–96) umstritten
Serbien 50 %, Kroatien 25 %, Bosnien 25 %. L&V 2012: 91,6 · NIQ: 90,4 (normiert).
TFR 1. Generation: 2,30 (1968) → 1,80 (2023)
Anwerbung 1968–1973, Bürgerkriegsflüchtlinge 1991–1999 (überwiegend zurückgekehrt), Westbalkanregelung ab 2016.
(Spät-)Aussiedler Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -5,5 (Spanne -9 bis -3)
PISA 2012: Herkunft ehem. UdSSR 488, Polen 504 vs. 531 Punkte.
Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 94 (Spanne 90–97) umstritten
Herkunftsländer Polen, Russland, Kasachstan, Rumänien gewichtet (L&V 94,4 · NIQ 93,6); Aussiedler sind Deutschstämmige, Länderwerte daher besonders fraglich.
TFR 1. Generation: 2,40 (1950) → 1,50 (2005)
Deutschstämmige aus Polen, Rumänien und der (ehemaligen) Sowjetunion; 4,56 Mio. 1950–2020.
EU-Binnenmigration Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -5 (Spanne -9 bis -3)
PISA 2012: Herkunft Polen 504 vs. 531 Punkte (−4); Annahme für übrige EU-Ost-Länder.
Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 93 (Spanne 89–97) umstritten
Rumänien 40 %, Polen 25 %, Bulgarien 20 %, Kroatien/Ungarn 15 %. L&V 94,9 · NIQ 91,0 (normiert).
TFR 1. Generation: 1,50 (2004) → 1,60 (2023)
Nettozuwanderung aus EU-Staaten (überwiegend Osteuropa) ab 2004; Südeuropa siehe Eurokrise.
Asyl 1980–2013 Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -10,5 (Spanne -14 bis -6)
PISA 2012: 1. Generation insgesamt 461 vs. 531 Punkte.
Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 86 (Spanne 80–92) umstritten
Grobe Annahme für gemischte Herkunft (u. a. Iran, Libanon, Sri Lanka, Rumänien, Afrika); keine gewichtete Zuordnung möglich.
TFR 1. Generation: 3,00 (1985) → 2,10 (2013)
Asylzuwanderung vor 2014 ohne Jugoslawien-Flüchtlinge; Nettoannahme nach Ablehnungen und Ausreisen.
Asyl ab 2014 Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -15,3 (Spanne -20 bis -10)
PISA 2022: 1. Generation 399 vs. 501 Punkte; nur 13 % sprechen zu Hause Deutsch.
Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 81,3 (Spanne 74–88) umstritten
Syrien 45 %, Afghanistan 20 %, Irak 15 %, Türkei 15 %, Eritrea 5 %. L&V 83,3 · NIQ 79,4 (normiert). Syrien/Eritrea nur Matrizentests, Afghanistan ohne eigene Daten (imputiert).
TFR 1. Generation: 3,80 (2015) → 2,10 (2040)
Schutzsuchende 2014–2024 (Syrien, Afghanistan, Irak, Eritrea, Türkei u. a.). TFR 2015/16 in Deutschland: 3,5–4,6.
Ukraine 2022 Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -6 (Spanne -8 bis -4)
Keine Messung in Deutschland; PISA 2018 Ukraine gegenüber Deutschland (Lesen 466 vs. 498, Mathe 453 vs. 500).
Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 92,6 (Spanne 88–97) umstritten
L&V 2012: 95,5 · NIQ: 89,7 (normiert; NIQ nur 1 Stichprobe).
TFR 1. Generation: 1,20 (2022) → 1,40 (2030)
Kriegsflüchtlinge ab 2022: 35 % unter 18 Jahren, 63 % Frauen.
Weitere Zuwanderung Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -6 (Spanne -12 bis +0)
PISA 2012 „andere Herkunft“ (492 vs. 531 Punkte).
Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 95 (Spanne 88–102) umstritten
Gemischte Herkunft (u. a. Asien, Amerika, Westeuropa, Nordafrika); grobe Annahme.
TFR 1. Generation: 2,00 (1980) → 1,60 (2023)
Residualgröße: übrige Nettozuwanderung (Fachkräfte, Studierende, Westeuropa, Asien, Marokko/Tunesien u. a.), so gewählt, dass der Gesamtwanderungssaldo von Destatis getroffen wird.
Zuwanderung ab 2026 Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -10 (Spanne -15 bis -5)
Annahme: Mittel der 1. Generation PISA 2012/2022.
Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 91 (Spanne 85–98) umstritten
Annahme, grob nach Herkunftsstruktur 2023 (Ukraine, Türkei, Syrien, Afghanistan, Indien, EU) gewichtet.
TFR 1. Generation: 1,80
Projektion: Nettozuwanderung insgesamt 250.000/Jahr (Variante W2 der 15. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung), davon 310.000 Zuwanderer abzüglich 60.000 abwandernder Deutscher.

Ereignisse der Vorlage

EreignisJahreAnmerkung / Quelle
Flucht und Vertreibung1945–1950Volkszählung 29.10.1946: 5,96 Mio., 13.9.1950: 7,88 Mio. Vertriebene (ohne Saar/West-Berlin).
Heimkehr Kriegsgefangener1945–1950Rückkehr deutscher Kriegsgefangener in die Westzonen; Größenordnung (unverifiziert), kalibriert auf die Volkszählungen 1946 und 1950.
Flucht aus SBZ/DDR bis 19611945–19611949–1961 rund 2,74 Mio. Antragsteller im Notaufnahmeverfahren, abzüglich rund 0,5 Mio. Rückwanderung; vorher Zugewanderte aus der SBZ (1946: 1,02 Mio., 1950: 1,56 Mio.).
Übersiedler aus der DDR 1962–19901962–1990Flüchtlinge und genehmigte Übersiedlungen nach dem Mauerbau (1989: 343.854, 1990: 238.384).
Wiedervereinigung1990Bevölkerung der DDR einschl. Ost-Berlin (31.12.1989: 16,43 Mio., nach Abwanderung 1990 ca. 16,0–16,1 Mio.); Altersstruktur 1989.
Anwerbung Südeuropa 1955–19731955–1973Bruttozuzüge aus Italien, Spanien, Griechenland, Portugal; insgesamt kamen 1955–1973 rund 14 Mio. Arbeitsmigranten, rund 11 Mio. kehrten zurück. Kalibriert auf die Ausländerbestände 1961–1973.
Familiennachzug Südeuropa 1974–19901974–1990
Anwerbung Türkei 1961–19731961–1973Kalibriert auf den Bestand türkischer Staatsangehöriger (1969: 322.000, 1973: 894.000).
Familiennachzug Türkei 1974–20041974–2004Familiennachzug und Heiratsmigration (Bestand 1980: 1,46 Mio., 1989: 1,61 Mio., 1991: 1,78 Mio.).
Anwerbung Jugoslawien 1968–19731964–1973Kalibriert auf den Bestand jugoslawischer Staatsangehöriger (1969: 332.000, 1973: 673.000).
Familiennachzug Jugoslawien 1974–19901974–1990
Bürgerkriegsflüchtlinge Jugoslawien 1991–19991991–1999Rund 350.000 Bosnier (Höchststand 1996: 345.000), bis 2002 > 200.000 Rückkehrer; dazu Kosovo 1998/99.
Westbalkan 2015–20242015–2024Westbalkanregelung ab 2016.
(Spät-)Aussiedler 1950–20241950–2024Bundesverwaltungsamt, Jahresstatistik; Spitze 1988–1995.
EU-Freizügigkeit 2004–20242004–2024Nettozuwanderung von EU-Staatsangehörigen (Saldo laut Migrationsbericht) ohne den südeuropäischen Anteil während der Eurokrise; 2004–2009 und 2023 geschätzt.
Zuwanderung Südeuropa (Eurokrise) 2010–20162010–2016Südeuropäischer Anteil am EU-Saldo (Schätzung).
Asylzuwanderung 1980–20131980–2013Asylanträge 1985–1995 (z. B. 1992: 438.191) ohne Jugoslawien; Nettoannahme nach Ablehnungen und Ausreisen.
Fluchtmigration 2014–20162014–2016Asylerstanträge 2014: 173.072, 2015: 441.899, 2016: 722.370; 2015 rund 890.000 Erstregistrierungen (EASY).
Asylzuwanderung 2017–20242017–2024Asylerstanträge (Größenordnung), abzüglich Rückkehr.
Flucht aus der Ukraine 2022–20242022–2024Nettozuwanderung 2022/23/24: +1,0 Mio. / +75.000 / +94.000 (bpb); 35 % unter 18, 63 % Frauen.
Weitere Nettozuwanderung 1960–20241960–2024Residualgröße zum Gesamtwanderungssaldo laut Destatis (Fachkräfte, Studierende, Westeuropa, Asien, Nordafrika u. a.).
Zuwanderung ab 20262026–2100Annahme: Nettozuwanderung 250.000/Jahr (Variante W2 der 15. KBV) zuzüglich 60.000 abwandernder Deutscher.
Auswanderung 1950–19611950–1961Wanderungssaldo Deutscher (Überseeauswanderung), 1950–1953 geschätzt aus dem Gesamtsaldo.
Rückkehrhilfegesetz 1983/841983–1984Rund 250.000 Personen kehrten mit Rückkehrhilfe in die Türkei zurück (Ausländersaldo 1984: −213.928).
Nicht erfasste Fortzüge (Zensuskorrekturen)1991–2022Die Zensus 2011 und 2022 fanden rund 1,5 bzw. 1,2–1,4 Mio. Einwohner weniger als die Fortschreibung, überwiegend Ausländer, die ohne Abmeldung fortgezogen waren. Hier als zusätzliche Abwanderung verteilt.
Abwanderung Deutscher 2005–20252005–2025Negativer Wanderungssaldo Deutscher (2016: Methodenwechsel). Abwandernde Deutsche sind überdurchschnittlich hoch gebildet (GERPS); das IQ-Mittel 108 ist eine Annahme.
Abwanderung Deutscher ab 20262026–2100Fortschreibung (Annahme).
Pillenknick1966Rückgang der TFR von 2,51 (1965) auf 1,45 (1975). Deaktiviert: TFR der Einheimischen geht ab 1966 auf 2,3 (kontrafaktisch).

7. Grenzen des Modells

8. Quellen