Methodik
Kohorte ist ein Rechenwerkzeug, das ausgehend von 1945 fortschreibt, wie sich der durchschnittliche gemessene IQ einer Landesbevölkerung unter ausdrücklich gesetzten Annahmen entwickeln würde. Das Modell liefert keine Prognose und keinen Befund über Gruppen oder Einzelpersonen. Es zeigt, welche Ergebnisse aus welchen Annahmen folgen und wie stark das Ergebnis von umstrittenen Parametern abhängt. Deshalb ist jede Annahme als Regler sichtbar und der Vergleichsmodus rechnet dasselbe Szenario unter drei gegensätzlichen Annahmesätzen.
1. Bevölkerungsmodell
Die Bevölkerung besteht aus Gruppen (z. B. Einheimische, Vertriebene, Gastarbeiter aus der Türkei, Spätaussiedler). Jede Gruppe wird in drei Generationen geführt – 1 = selbst zugewandert, 2 = im Land geboren mit zugewanderten Eltern, 3 = spätere Generationen – und jede Generation in Einzeljahren 0–100 (100 = offene Altersklasse). Gerechnet wird in Jahresschritten:
- Zuwanderung (Personen pro Jahr × Altersprofil), geplante Rückkehr früherer Zuwanderer, Abwanderung
- Geburten: Frauenanteil 50 % × altersspezifische Fruchtbarkeit (Normalverteilung um das mittlere Gebäralter, 15–49 Jahre) × TFR der Gruppe und Generation
- Sterblichkeit: Gompertz-Makeham-Sterbetafel, die je Kalenderjahr auf die eingestellte Lebenserwartung bei Geburt kalibriert wird (Säuglingssterblichkeit aus der Lebenserwartung abgeleitet)
- Altern um ein Jahr; Ausgabe als Stand zum Jahresende
TFR-Konvergenz: Die erste Generation hat die TFR der Gruppe. Ab der zweiten Generation nähert sich die TFR linear über n Generationen der TFR der Einheimischen an: TFRk = TFRMehrheit + (TFRGruppe − TFRMehrheit) · max(0, 1 − (k−1)/n). Gruppen ohne Konvergenz (z. B. Ostdeutsche nach 1990) behalten ihre eigene Zeitreihe.
2. Vererbung pro Generation
Für jede Zelle (Gruppe × Generation × Alter) führt das Modell den mittleren Abstand zur Referenz (Start-IQ der Einheimischen) aufgeteilt in drei Komponenten sowie die Varianz:
Bei Einreise wird der Abstand D = IQGruppe − Start-IQ aufgeteilt in A = p · D und E = (1 − p) · D, wobei p der Regler „vererbbarer Anteil der Gruppenabstände“ ist (global oder je Gruppe).
Modell „Komponenten“ (Standard)
A und E der Eltern sind die fertilitätsgewichteten Mittel der Mütter der Gruppe; bei Mischehen das Mittel aus Gruppe und Partnerpool (siehe unten). Der Ausdruck h² · S ist die Züchtergleichung (Antwort auf Selektion): Haben Personen mit höherem IQ innerhalb einer Gruppe im Mittel weniger Kinder (r < 0), liegt der Mittelwert der Eltern unter dem der Gruppe; vererbt wird davon der Anteil h².
Modell „Züchtergleichung“ (wörtlich)
Hier regrediert jede Kindergeneration um den Faktor h² zum Mittel der Gesamtbevölkerung. Das entspricht dem Komponentenmodell mit p = h² und vollständiger Umweltangleichung. Diese Lesart behandelt den Abstand einer Gruppe wie die Abweichung eines Individuums vom Populationsmittel. Genetisch korrekt ist sie nur, wenn die Gruppe genetisch keine eigene Teilpopulation bildet. Liegt der Gruppenabstand dagegen tatsächlich in den Genen, regrediert er zum Mittel der eigenen Gruppe und bleibt erhalten. Beide Modelle sind wählbar, weil genau diese Frage wissenschaftlich offen bzw. umstritten ist.
h² ist nicht der vererbbare Anteil von Gruppenabständen
Die enge Heritabilität h² beschreibt, welcher Anteil der Varianz innerhalb einer Population auf additive genetische Unterschiede zurückgeht (Zwillings- und Familienstudien: rund 0,4–0,8 im Erwachsenenalter, SNP-basierte Schätzungen deutlich niedriger). Daraus folgt nichts über die Ursache von Mittelwertunterschieden zwischen Gruppen, die in unterschiedlichen Umwelten leben (Lewontins Saatgut-Beispiel: genetisch verschiedene Pflanzen in zwei Töpfen; die Höhenunterschiede innerhalb eines Topfes sind erblich, der Unterschied zwischen den Töpfen liegt am Boden). Deshalb sind h² und der vererbbare Anteil p getrennte Regler.
Assortative Mating
Die Korrelation der Partner-IQs (m) erhöht im Gleichgewicht die additive Varianz: VA* = VA / (1 − h²·m). Die Gruppen-SDs sind auf den heutigen Wert m₀ = 0,4 bezogen; der Regler skaliert die SD jeder Kindergeneration um √[(h²/(1−h²m) + 1−h²) / (h²/(1−h²m₀) + 1−h²)]. Das verändert die Anteile über 115 bzw. 130, nicht den Mittelwert.
Mischehen
Der Anteil der Geburten einer Gruppe mit Partner außerhalb der Gruppe (Mischehen-Rate) erhält als Elternmittel den Durchschnitt aus Gruppe und Partnerpool (fertilitätsgewichtet über alle anderen Gruppen). Diese Kinder bilden wahlweise die Gruppe „Gemischte Herkunft“ oder bleiben in der Gruppe der Mutter. Wer in Mischehen heiratet, wird nicht nach IQ ausgewählt (vereinfachende Annahme).
Selektive Abwanderung
„200.000 Akademiker pro Jahr mit IQ-Mittel 120“ wird als Abwanderung aus dem oberen Teil der Verteilung modelliert: Es wird eine gemeinsame Schwelle x über alle betroffenen Zellen gesucht, sodass der Mittelwert aller Personen oberhalb von x dem eingestellten Wert entspricht; aus diesem Bereich wandern die Personen anteilig ab. Mittelwert und Varianz der Zurückbleibenden werden exakt (gestutzte Normalverteilung) neu berechnet. Von der Absenkung des phänotypischen Mittelwerts wird nur der Anteil h² auf die Kinder übertragen; der Rest (R) verschwindet mit der Generation.
3. Flynn-Effekt und IQ-Skala
IQ-Werte sind immer relativ zu einer Normstichprobe. Weil Tests regelmäßig neu normiert werden, hat die jeweils aktuelle Bevölkerung wieder einen Mittelwert von etwa 100, obwohl die Testleistungen im 20. Jahrhundert um rund 3 Punkte pro Jahrzehnt gestiegen sind (Flynn-Effekt). Das Modell bietet deshalb zwei Skalen an:
- Flynn-bereinigt (Standard): Der Flynn-Effekt ist herausgerechnet. Die Werte sind mit nationalen IQ-Vergleichswerten vergleichbar (Deutschland ≈ 99–100) und zeigen nur die Wirkung von Zusammensetzung, Vererbung, Fertilität und Wanderung. Auch die IQ-Angaben bei Gruppen und Abwanderungsereignissen beziehen sich auf diese Skala.
- Feste Norm von 1945: Alle Jahre werden an den Normen von 1945 gemessen. Der Flynn-Effekt kommt als gemeinsamer Trend nach Geburtsjahrgang hinzu, bis zum Knick-Jahrgang mit dem eingestellten Zuwachs, danach mit dem zweiten Trendwert (0 = Stagnation, negativ = Umkehr, wie sie für mehrere europäische Länder ab den 1990ern berichtet wird). Die Bevölkerung von 1945 ist im Mittel um 1909 geboren; die heutige Bevölkerung erreicht auf dieser Skala deshalb Werte um 114. Das ist keine heute gemessene Zahl, sondern die Antwort auf die Frage, wie die heutige Bevölkerung in einem Test mit den Normen von 1945 abschneiden würde.
Gruppenabstände werden in beiden Fällen ohne Flynn-Effekt angegeben; der Effekt ändert sie nicht. Inhaltlich ist er dennoch relevant: Er zeigt, dass sich Testleistungen ganzer Populationen innerhalb weniger Jahrzehnte ohne genetische Veränderung um eine Standardabweichung verschieben können.
4. Migration und Sonderereignisse
- Zuwanderung: Jahre, Personen pro Jahr (oder Jahreswerte mit Interpolation), Altersprofil, IQ-Mittel/SD (Standard: Wert der Zielgruppe), Rückkehrquote, die gleichmäßig über x Jahre nach Ankunft abwandert (zufällige Auswahl). Die Rückkehrquote bildet die hohe Fluktuation ab (z. B. kehrten die meisten angeworbenen Arbeitskräfte zurück).
- Abwanderung: Personen pro Jahr, zufällig oder selektiv (siehe oben), wahlweise nur bestimmte Gruppen.
- Sonderereignisse: Bevölkerungsübernahme (z. B. Wiedervereinigung 1990: DDR-Bevölkerung mit eigener Altersstruktur und TFR), TFR-Schocks (Faktor) und kontrafaktische TFR (z. B. „ohne Pillenknick“: wird das Ereignis deaktiviert, ersetzt der angegebene Gegenwert die historische TFR).
Das Gebiet ist bis 1990 das frühere Bundesgebiet einschließlich West-Berlin, danach Deutschland.
5. Annahme-Presets
| Preset | Parameter | Beschreibung |
|---|---|---|
| Hereditär stark | h2 = 0,8 assimilation = 0,0 heritable_share = 0,8 inheritance_mode = components |
Hohe enge Heritabilität, Gruppenabstände überwiegend vererbbar, keine Umweltangleichung der im Land geborenen Generationen. |
| Mittel | h2 = 0,5 assimilation = 0,5 heritable_share = 0,5 inheritance_mode = components |
Mittlere Werte: h² = 0,5, die Hälfte der Abstände vererbbar, Hälfte des Umweltanteils gleicht sich je Generation an. |
| Umweltbetont | h2 = 0,3 assimilation = 1,0 heritable_share = 0,0 inheritance_mode = components |
Niedrige enge Heritabilität, Gruppenabstände umweltbedingt, die zweite Generation gleicht sich vollständig an das Umfeld an. |
6. Daten und IQ-Annahmen
Als Alternative bietet das Modell eine Kalibrierung aus Messungen in Deutschland an: Abstände in PISA-Leistungen von Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungsgeschichte (1. bzw. 2. Generation, teils nach Herkunft) gegenüber Schülern ohne Zuwanderungsgeschichte, umgerechnet mit 100 PISA-Punkte ≈ 1 SD ≈ 15 IQ-Punkte. PISA misst schulische Kompetenzen (stark abhängig von Sprache und Bildungsbiografie), nicht Intelligenz; die Werte sind deshalb ebenfalls Annahmen und eher Obergrenzen für Abstände bei Kindern.
Gruppen der Vorlage „Deutschland 1945–2100 (historische Vorlage)“
| Gruppe | Annahmen | Anmerkung |
|---|---|---|
| Einheimische |
wie Einheimische (Start-IQ) TFR 1. Generation: 1,70 (1945) → 1,15 (2025) |
Wohnbevölkerung des späteren Bundesgebiets (inkl. West-Berlin, Saarland) Anfang 1945 ohne Vertriebene, SBZ-Flüchtlinge und noch nicht heimgekehrte Kriegsgefangene (kalibriert auf die Volkszählungen 1946/1950). TFR bis 1985 früheres Bundesgebiet, danach TFR deutscher Frauen abzüglich 0,05 (eingebürgerte Nachkommen Zugewanderter werden im Modell in ihren Herkunftsgruppen geführt). |
| Vertriebene 1945–50 |
wie Einheimische (Start-IQ) TFR 1. Generation: wie Mehrheit |
Deutsche Heimatvertriebene (Volkszählung 1950: 7,88 Mio. im Bundesgebiet ohne Saar/West-Berlin). Als Deutsche wie Einheimische angesetzt; TFR wie Einheimische. |
| Ostdeutsche (ab 1990) |
wie Einheimische (Start-IQ) TFR 1. Generation: 1,52 (1990) → 1,22 (2025) |
Bevölkerung der DDR einschl. Ost-Berlin bei der Wiedervereinigung; TFR der neuen Länder. |
| Gastarbeiter Südeuropa |
Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -6 (Spanne -9 bis -3)
PISA 2012 „andere Herkunft“ (492 vs. 531 Punkte); keine eigene Ausweisung. Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 94,5 (Spanne 91–98) umstritten Italien 44 %, Griechenland 28 %, Spanien 20 %, Portugal 8 % (Bestand 1973). L&V 2012: 96,4 · NIQ: 92,6 (normiert). TFR 1. Generation: 2,60 (1955) → 1,40 (2023) |
Anwerbung aus Italien (1955), Spanien, Griechenland (1960) und Portugal (1964), Familiennachzug, Zuwanderung während der Eurokrise. |
| Türkei |
Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -11,6 (Spanne -17 bis -8)
PISA 2012: Herkunft Türkei 454 vs. 531 Punkte; 1. Generation 2003: 411 vs. 527. Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 88,6 (Spanne 85–93) umstritten L&V 2012: 90,6 · NIQ: 86,6 (normiert, je nur 3 Stichproben). TFR 1. Generation: 3,50 (1961) → 1,80 (2023) |
Anwerbeabkommen 1961, Familiennachzug nach dem Anwerbestopp 1973, Rückkehrhilfe 1983/84, Heiratsmigration. |
| Ehem. Jugoslawien |
Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -7 (Spanne -11 bis -4)
Keine eigene Ausweisung in PISA 2012; Annahme zwischen „andere Herkunft“ und 1. Generation. Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 91 (Spanne 86–96) umstritten Serbien 50 %, Kroatien 25 %, Bosnien 25 %. L&V 2012: 91,6 · NIQ: 90,4 (normiert). TFR 1. Generation: 2,30 (1968) → 1,80 (2023) |
Anwerbung 1968–1973, Bürgerkriegsflüchtlinge 1991–1999 (überwiegend zurückgekehrt), Westbalkanregelung ab 2016. |
| (Spät-)Aussiedler |
Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -5,5 (Spanne -9 bis -3)
PISA 2012: Herkunft ehem. UdSSR 488, Polen 504 vs. 531 Punkte. Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 94 (Spanne 90–97) umstritten Herkunftsländer Polen, Russland, Kasachstan, Rumänien gewichtet (L&V 94,4 · NIQ 93,6); Aussiedler sind Deutschstämmige, Länderwerte daher besonders fraglich. TFR 1. Generation: 2,40 (1950) → 1,50 (2005) |
Deutschstämmige aus Polen, Rumänien und der (ehemaligen) Sowjetunion; 4,56 Mio. 1950–2020. |
| EU-Binnenmigration |
Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -5 (Spanne -9 bis -3)
PISA 2012: Herkunft Polen 504 vs. 531 Punkte (−4); Annahme für übrige EU-Ost-Länder. Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 93 (Spanne 89–97) umstritten Rumänien 40 %, Polen 25 %, Bulgarien 20 %, Kroatien/Ungarn 15 %. L&V 94,9 · NIQ 91,0 (normiert). TFR 1. Generation: 1,50 (2004) → 1,60 (2023) |
Nettozuwanderung aus EU-Staaten (überwiegend Osteuropa) ab 2004; Südeuropa siehe Eurokrise. |
| Asyl 1980–2013 |
Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -10,5 (Spanne -14 bis -6)
PISA 2012: 1. Generation insgesamt 461 vs. 531 Punkte. Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 86 (Spanne 80–92) umstritten Grobe Annahme für gemischte Herkunft (u. a. Iran, Libanon, Sri Lanka, Rumänien, Afrika); keine gewichtete Zuordnung möglich. TFR 1. Generation: 3,00 (1985) → 2,10 (2013) |
Asylzuwanderung vor 2014 ohne Jugoslawien-Flüchtlinge; Nettoannahme nach Ablehnungen und Ausreisen. |
| Asyl ab 2014 |
Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -15,3 (Spanne -20 bis -10)
PISA 2022: 1. Generation 399 vs. 501 Punkte; nur 13 % sprechen zu Hause Deutsch. Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 81,3 (Spanne 74–88) umstritten Syrien 45 %, Afghanistan 20 %, Irak 15 %, Türkei 15 %, Eritrea 5 %. L&V 83,3 · NIQ 79,4 (normiert). Syrien/Eritrea nur Matrizentests, Afghanistan ohne eigene Daten (imputiert). TFR 1. Generation: 3,80 (2015) → 2,10 (2040) |
Schutzsuchende 2014–2024 (Syrien, Afghanistan, Irak, Eritrea, Türkei u. a.). TFR 2015/16 in Deutschland: 3,5–4,6. |
| Ukraine 2022 |
Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -6 (Spanne -8 bis -4)
Keine Messung in Deutschland; PISA 2018 Ukraine gegenüber Deutschland (Lesen 466 vs. 498, Mathe 453 vs. 500). Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 92,6 (Spanne 88–97) umstritten L&V 2012: 95,5 · NIQ: 89,7 (normiert; NIQ nur 1 Stichprobe). TFR 1. Generation: 1,20 (2022) → 1,40 (2030) |
Kriegsflüchtlinge ab 2022: 35 % unter 18 Jahren, 63 % Frauen. |
| Weitere Zuwanderung |
Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -6 (Spanne -12 bis +0)
PISA 2012 „andere Herkunft“ (492 vs. 531 Punkte). Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 95 (Spanne 88–102) umstritten Gemischte Herkunft (u. a. Asien, Amerika, Westeuropa, Nordafrika); grobe Annahme. TFR 1. Generation: 2,00 (1980) → 1,60 (2023) |
Residualgröße: übrige Nettozuwanderung (Fachkräfte, Studierende, Westeuropa, Asien, Marokko/Tunesien u. a.), so gewählt, dass der Gesamtwanderungssaldo von Destatis getroffen wird. |
| Zuwanderung ab 2026 |
Messungen in Deutschland (PISA, relativ): Start-IQ -10 (Spanne -15 bis -5)
Annahme: Mittel der 1. Generation PISA 2012/2022. Nationale IQ-Ländervergleiche (umstritten): 91 (Spanne 85–98) umstritten Annahme, grob nach Herkunftsstruktur 2023 (Ukraine, Türkei, Syrien, Afghanistan, Indien, EU) gewichtet. TFR 1. Generation: 1,80 |
Projektion: Nettozuwanderung insgesamt 250.000/Jahr (Variante W2 der 15. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung), davon 310.000 Zuwanderer abzüglich 60.000 abwandernder Deutscher. |
Ereignisse der Vorlage
| Ereignis | Jahre | Anmerkung / Quelle |
|---|---|---|
| Flucht und Vertreibung | 1945–1950 | Volkszählung 29.10.1946: 5,96 Mio., 13.9.1950: 7,88 Mio. Vertriebene (ohne Saar/West-Berlin). |
| Heimkehr Kriegsgefangener | 1945–1950 | Rückkehr deutscher Kriegsgefangener in die Westzonen; Größenordnung (unverifiziert), kalibriert auf die Volkszählungen 1946 und 1950. |
| Flucht aus SBZ/DDR bis 1961 | 1945–1961 | 1949–1961 rund 2,74 Mio. Antragsteller im Notaufnahmeverfahren, abzüglich rund 0,5 Mio. Rückwanderung; vorher Zugewanderte aus der SBZ (1946: 1,02 Mio., 1950: 1,56 Mio.). |
| Übersiedler aus der DDR 1962–1990 | 1962–1990 | Flüchtlinge und genehmigte Übersiedlungen nach dem Mauerbau (1989: 343.854, 1990: 238.384). |
| Wiedervereinigung | 1990 | Bevölkerung der DDR einschl. Ost-Berlin (31.12.1989: 16,43 Mio., nach Abwanderung 1990 ca. 16,0–16,1 Mio.); Altersstruktur 1989. |
| Anwerbung Südeuropa 1955–1973 | 1955–1973 | Bruttozuzüge aus Italien, Spanien, Griechenland, Portugal; insgesamt kamen 1955–1973 rund 14 Mio. Arbeitsmigranten, rund 11 Mio. kehrten zurück. Kalibriert auf die Ausländerbestände 1961–1973. |
| Familiennachzug Südeuropa 1974–1990 | 1974–1990 | |
| Anwerbung Türkei 1961–1973 | 1961–1973 | Kalibriert auf den Bestand türkischer Staatsangehöriger (1969: 322.000, 1973: 894.000). |
| Familiennachzug Türkei 1974–2004 | 1974–2004 | Familiennachzug und Heiratsmigration (Bestand 1980: 1,46 Mio., 1989: 1,61 Mio., 1991: 1,78 Mio.). |
| Anwerbung Jugoslawien 1968–1973 | 1964–1973 | Kalibriert auf den Bestand jugoslawischer Staatsangehöriger (1969: 332.000, 1973: 673.000). |
| Familiennachzug Jugoslawien 1974–1990 | 1974–1990 | |
| Bürgerkriegsflüchtlinge Jugoslawien 1991–1999 | 1991–1999 | Rund 350.000 Bosnier (Höchststand 1996: 345.000), bis 2002 > 200.000 Rückkehrer; dazu Kosovo 1998/99. |
| Westbalkan 2015–2024 | 2015–2024 | Westbalkanregelung ab 2016. |
| (Spät-)Aussiedler 1950–2024 | 1950–2024 | Bundesverwaltungsamt, Jahresstatistik; Spitze 1988–1995. |
| EU-Freizügigkeit 2004–2024 | 2004–2024 | Nettozuwanderung von EU-Staatsangehörigen (Saldo laut Migrationsbericht) ohne den südeuropäischen Anteil während der Eurokrise; 2004–2009 und 2023 geschätzt. |
| Zuwanderung Südeuropa (Eurokrise) 2010–2016 | 2010–2016 | Südeuropäischer Anteil am EU-Saldo (Schätzung). |
| Asylzuwanderung 1980–2013 | 1980–2013 | Asylanträge 1985–1995 (z. B. 1992: 438.191) ohne Jugoslawien; Nettoannahme nach Ablehnungen und Ausreisen. |
| Fluchtmigration 2014–2016 | 2014–2016 | Asylerstanträge 2014: 173.072, 2015: 441.899, 2016: 722.370; 2015 rund 890.000 Erstregistrierungen (EASY). |
| Asylzuwanderung 2017–2024 | 2017–2024 | Asylerstanträge (Größenordnung), abzüglich Rückkehr. |
| Flucht aus der Ukraine 2022–2024 | 2022–2024 | Nettozuwanderung 2022/23/24: +1,0 Mio. / +75.000 / +94.000 (bpb); 35 % unter 18, 63 % Frauen. |
| Weitere Nettozuwanderung 1960–2024 | 1960–2024 | Residualgröße zum Gesamtwanderungssaldo laut Destatis (Fachkräfte, Studierende, Westeuropa, Asien, Nordafrika u. a.). |
| Zuwanderung ab 2026 | 2026–2100 | Annahme: Nettozuwanderung 250.000/Jahr (Variante W2 der 15. KBV) zuzüglich 60.000 abwandernder Deutscher. |
| Auswanderung 1950–1961 | 1950–1961 | Wanderungssaldo Deutscher (Überseeauswanderung), 1950–1953 geschätzt aus dem Gesamtsaldo. |
| Rückkehrhilfegesetz 1983/84 | 1983–1984 | Rund 250.000 Personen kehrten mit Rückkehrhilfe in die Türkei zurück (Ausländersaldo 1984: −213.928). |
| Nicht erfasste Fortzüge (Zensuskorrekturen) | 1991–2022 | Die Zensus 2011 und 2022 fanden rund 1,5 bzw. 1,2–1,4 Mio. Einwohner weniger als die Fortschreibung, überwiegend Ausländer, die ohne Abmeldung fortgezogen waren. Hier als zusätzliche Abwanderung verteilt. |
| Abwanderung Deutscher 2005–2025 | 2005–2025 | Negativer Wanderungssaldo Deutscher (2016: Methodenwechsel). Abwandernde Deutsche sind überdurchschnittlich hoch gebildet (GERPS); das IQ-Mittel 108 ist eine Annahme. |
| Abwanderung Deutscher ab 2026 | 2026–2100 | Fortschreibung (Annahme). |
| Pillenknick | 1966 | Rückgang der TFR von 2,51 (1965) auf 1,45 (1975). Deaktiviert: TFR der Einheimischen geht ab 1966 auf 2,3 (kontrafaktisch). |
7. Grenzen des Modells
- Heritabilität innerhalb vs. zwischen Gruppen: Aus h² lässt sich der vererbbare Anteil von Gruppenabständen nicht ableiten. Für einen genetischen Anteil an Unterschieden zwischen Herkunftsgruppen gibt es keinen belastbaren direkten Nachweis; bekannt sind große Umwelteinflüsse (Bildung, Gesundheit, Ernährung, Sprache, Testvertrautheit). Der Regler p ist daher eine reine Annahme, deren Wirkung das Modell sichtbar macht.
- Flynn-Effekt: Zeitliche Änderungen in der Größenordnung von Gruppenabständen ohne genetische Ursache; seine Ursachen und sein künftiger Verlauf sind ungeklärt. Für Herkunftsländer kann er anders verlaufen als in Deutschland.
- Messprobleme: IQ-Tests sind zwischen Kulturen, Sprachen und Bildungssystemen nicht ohne Weiteres vergleichbar (Messinvarianz). Zuwanderergruppen sind selektiert und intern heterogen; Mittelwerte verdecken große Streuung.
- Grobe Demografie: keine Geschlechtertrennung, eine Sterbetafel-Familie, keine Bildungs- oder Einkommensschichten, keine regionale Gliederung. Rückkehr und Abwanderung erfolgen (außer bei selektiver Abwanderung) zufällig.
- Gruppen sind Modellkonstrukte: Die Einteilung folgt Wanderungsereignissen, nicht Abstammung. Nach mehreren Generationen und Mischehen sind die Gruppen kaum noch sinnvoll abgrenzbar.
- Kein Rückschluss auf Einzelne: Selbst unter den extremsten Annahmen überlappen die Verteilungen aller Gruppen weitgehend; über einzelne Menschen sagt das Modell nichts aus.
8. Quellen
- Aktuelle Zahlen zu Asyl / Asylgeschäftsstatistik, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) (2025)
- Migrationsbericht der Bundesregierung 2022, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) (2024)
- Schlüsselzahlen Asyl 2017 (inkl. Zeitreihe seit 1953), Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2018)
- Becker, D.: NIQ-Dataset V1.3.3 (Lynn & Becker 2019) (2019)
umstritten
Überarbeitete Sammlung nationaler IQ-Werte; Grunddaten weitgehend dieselben wie bei Lynn & Vanhanen. - Fakten zur Fertilität (Zusammengefasste Geburtenziffer, lange Reihe), Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) (2025)
- Länderprofil: Geduldet und rückgeführt – bosnische Flüchtlinge, Bundeszentrale für politische Bildung
- DDR kompakt: Fluchtbewegung, Bundeszentrale für politische Bildung
- Lexikon: Gastarbeiter (rund 14 Mio. Zuzüge 1955–1973, rund 11 Mio. Rückkehrer), Bundeszentrale für politische Bildung
- Zahlen und Fakten: Geburten (zusammengefasste Geburtenziffer West/Ost), Bundeszentrale für politische Bildung (2020)
- Zahlen und Fakten: (Spät-)Aussiedler, Bundeszentrale für politische Bildung
- Sauer, L. & Ette, A.: Geflüchtete aus der Ukraine und ihr Einfluss auf die deutsche Bevölkerungsstruktur, Bundeszentrale für politische Bildung (2026)
- (Spät-)Aussiedler und ihre Angehörigen – Zeitreihe 1950–2014, Bundesverwaltungsamt (2025)
Jahreswerte 2015–2024 nach bpb und BT-Drs. 20/13757. - Statistisches Jahrbuch der DDR 1990 (Bevölkerung, Altersaufbau), Statistisches Amt der DDR (1990)
- Ausländische Bevölkerung nach ausgewählten Staatsangehörigkeiten, Statistisches Bundesamt (Destatis) (2025)
- Bevölkerungsstand – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht (lange Reihe ab 1950), Statistisches Bundesamt (Destatis) (2025)
Werte ab 2011 auf Basis Zensus 2011, ab 2022 auf Basis Zensus 2022 fortgeschrieben. - Geburten – zusammengefasste Geburtenziffer nach Staatsangehörigkeit der Mutter, Statistisches Bundesamt (Destatis) (2025)
- 15. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Statistisches Bundesamt (Destatis) (2022)
Annahmen zu Geburten, Lebenserwartung und Wanderungssaldo bis 2070. - Mikrozensus – Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte, Statistisches Bundesamt (Destatis) (2024)
- Sterbefälle und Lebenserwartung – Sterbetafeln, Statistisches Bundesamt (Destatis) (2025)
- Migration und Integration – Schutzsuchende (Ausländerzentralregister), Statistisches Bundesamt (Destatis) (2025)
- Wanderungen zwischen Deutschland und dem Ausland 1950–2025, Statistisches Bundesamt (Destatis) (2025)
Bis 1990 früheres Bundesgebiet ohne Wanderungen aus der DDR. - Dutton, E., van der Linden, D. & Lynn, R.: The negative Flynn Effect: A systematic literature review, Intelligence 59, 163–169 (2016)
- Ausländische Bevölkerung nach Land der Staatsangehörigkeit 1991–2004, Statistisches Bundesamt (2005)
- Erlinghagen, M., Ette, A., Schneider, N. F. & Witte, N. (Hrsg.): The Global Lives of German Migrants (German Emigration and Remigration Panel Study), Springer (2021)
Abwandernde Deutsche überdurchschnittlich hoch qualifiziert. - Statistik über Ausländer in der Bundesrepublik (1950–2001), nach Sautter 2004, German History in Documents and Images (GHDI)
- Geburtenrückgang 1950–1990 (Datenreport 1992), German History in Documents and Images (GHDI)
- Statistische Aufstellung über die Zahl der Übersiedler und Flüchtlinge 1961–1990, German History in Documents and Images (GHDI)
- Heidemeyer, H.: Flucht und Zuwanderung aus der SBZ/DDR 1945/1949–1961, Droste (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus) (1994)
Notaufnahmeverfahren 1949–1961, Zuwanderung in die Westzonen 1945–1949. - Horwitz, T. B., Balbona, J. V., Paulich, K. N. & Keller, M. C.: Evidence of correlations between human partners based on systematic reviews and meta-analyses of 22 traits, Nature Human Behaviour 7, 1568–1583 (2023)
Partnerkorrelation für Intelligenz rund 0,4. - Kahn, M. L.: Foreign in Two Homelands (Rückkehrhilfegesetz 1983/84), University of Maryland (2024)
- Kolk, M. & Barclay, K.: Cognitive ability and fertility among Swedish men born 1951–1967, Proceedings of the Royal Society B 286: 20190359 (2019)
Gegenbefund: positiver Zusammenhang zwischen IQ und Kinderzahl bei schwedischen Männern. - Kong, A. et al.: Selection against variants in the genome associated with educational attainment, PNAS 114(5), E727–E732 (2017)
Island: genetischer Rückgang entsprechend rund 0,3 IQ-Punkten pro Jahrzehnt. - Lewontin, R. C.: Race and intelligence, Bulletin of the Atomic Scientists 26(3), 2–8 (1970)
Heritabilität innerhalb von Gruppen erklärt keine Unterschiede zwischen Gruppen. - Lynn, R. & Vanhanen, T.: Intelligence. A Unifying Construct for the Social Sciences, Ulster Institute for Social Research (2012)
umstritten
Nationale IQ-Schätzungen; für viele Länder kleine, nicht repräsentative Stichproben bzw. Schätzungen aus Nachbarländern. - Pietschnig, J. & Voracek, M.: One century of global IQ gains: A formal meta-analysis of the Flynn effect (1909–2013), Perspectives on Psychological Science 10(3), 282–306 (2015)
- Pietschnig, J. & Gittler, G.: A reversal of the Flynn effect for spatial perception in German-speaking countries, Intelligence 53, 145–153 (2015)
Umgekehrt U-förmiger Verlauf 1977–2014 (räumliches Vorstellungsvermögen). - Gebhardt, M., Rauch, D., Mang, J., Sälzer, C. & Stanat, P.: Mathematische Kompetenz von Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungshintergrund, In: PISA 2012. Fortschritte und Herausforderungen in Deutschland, Waxmann (2013)
Kompetenzen nach Generationenstatus und Herkunftsland. - OECD: PISA 2018 Results (Volume I), OECD Publishing (2019)
Ukraine nahm 2018 erstmals teil. - Lewalter, D. et al. (Hrsg.): PISA 2022. Analyse der Bildungsergebnisse in Deutschland, Waxmann (2023)
Mathematik: ohne Zuwanderungshintergrund 501, 1. Generation 399 Punkte. - Plomin, R. & Deary, I. J.: Genetics and intelligence differences: five special findings, Molecular Psychiatry 20, 98–108 (2015)
Heritabilität steigt von ca. 0,2 im Kindesalter auf ca. 0,6–0,8 im Erwachsenenalter (Zwillingsstudien). - Polderman, T. J. C. et al.: Meta-analysis of the heritability of human traits based on fifty years of twin studies, Nature Genetics 47, 702–709 (2015)
- Reeve, C. L., Heeney, M. D. & Woodley of Menie, M. A.: A systematic review of the state of literature relating parental general cognitive ability and number of offspring, Personality and Individual Differences 134, 107–118 (2018)
Überwiegend schwach negative Zusammenhänge zwischen kognitiver Fähigkeit und Kinderzahl. - Sear, R.: ‘National IQ’ datasets do not provide accurate, unbiased or comparable measures of cognitive ability worldwide, PsyArXiv (Preprint) (2022)
Systematische Kritik an Datenqualität, Vergleichbarkeit und Repräsentativität. - Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1952 (Tab. 9 Altersaufbau, Tab. 13 Heimatvertriebene), Statistisches Bundesamt (1952)
- Statistisches Jahrbuch 1974, Tab. 18: Ausländer am 30.9.1973, Statistisches Bundesamt (1974)
- Statistisches Jahrbuch 1981, Tab. 3.1/3.2: Bevölkerungsentwicklung, Statistisches Bundesamt (1981)
- Warne, R. T.: National Mean IQ Estimates: Validity, Data Quality, and Recommendations, Evolutionary Psychological Science (2022)
Benennt Länder, deren Werte allein auf Matrizentests beruhen (u. a. Eritrea, Marokko, Syrien), und große Abweichungen zu schulleistungsbasierten Schätzungen. - Wicherts, J. M., Dolan, C. V. & van der Maas, H. L. J.: A systematic literature review of the average IQ of sub-Saharan Africans, Intelligence 38(1), 1–20 (2010)
Kritik an Stichproben- und Studienauswahl nationaler IQ-Werte. - Pötzsch, O.: Aktueller Geburtenanstieg und seine Potenziale, WISTA – Wirtschaft und Statistik 3/2018 (2018)
TFR deutscher und ausländischer Frauen; Syrerinnen, Afghaninnen, Irakerinnen 2015/16: 3,5–4,6. - Zensus 2022: Einwohnerzahl rund 1,4 Mio. niedriger als fortgeschrieben, Umweltbundesamt nach Destatis (2024)